
Regattabegleitfahrten für Rollstuhlfahrende
Kieler Woche 2026 – 8 Tage voller Emotionen
20.–27. Juni 2026 · Olympiahafen Kiel-Schilksee · #wirallesegeln · #alleanbord
Acht Tage, ein Boot, unzählige Momente, die bleiben. Vom 20. bis 27. Juni 2026 haben wir bei der Kieler Woche täglich barrierefreie Regattabegleitfahrten für Rollstuhlfahrende angeboten – auf der „Henk de Mol“, hinaus auf die Kieler Außenförde, mittenhinein ins Regattageschehen. Es waren acht Tage voller Emotionen, mit wunderbaren Gästen, die uns bewegt, motiviert und begeistert haben – und die uns zum Teil weiter begleiten, um mehr Teilhabe im Segelsport zu ermöglichen.
Realisiert haben wir die Regattabegleitfahrten gemeinsam mit Inklusives Segeln für Alle e.V. – ein Partner, mit dem wir die „Henk de Mol“ seit vier Jahren bei der Kieler Woche einsetzen. Gefördert wird das Projekt von der Landeshauptstadt Kiel.
Die „Henk de Mol“ – ein Boot, das Teilhabe möglich macht
Herzstück der Begleitfahrten ist die „Henk de Mol“: ein 24-Fuß-Segelboot, eine inklusiv umgebaute BENTE24 unseres Partners Inklusives Segeln für Alle e.V. – ein Boot, das es so in Deutschland kein zweites Mal gibt. Das Besondere: Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer rollen direkt an Bord und finden auch in fremder Umgebung sofort einen sicheren Platz – das Umsteigen in spezielle Sitze entfällt. Die Gäste bleiben im eigenen Rollstuhl an Bord. So ging es täglich hinaus auf die Kieler Außenförde und die Ostsee, begleitet von einem erfahrenen Betreuungsteam – an jedem der acht Tage konnten wir zwei Fahrten mit Rollstuhlfahrenden realisieren.
Mehr als Sport. Man muss nicht segeln können. Es genügt, einfach auf dem Wasser zu sein, mitten im Regattageschehen, den Wind und die Weite zu spüren. Für viele Menschen mit Behinderung, die sich das kaum zugetraut hätten, wird so aus einem „das ist doch nichts für mich“ ein „doch – ich bin mittendrin“.

Höhepunkte der acht Tage
Ein bewegender Auftakt
Schon das Auftaktwochenende zeigte, worum es geht: An Bord waren ein dreizehnjähriges Mädchen aus Kiel im Rollstuhl und Tjark Schimmel – ein aktiver Segler, der seit einem Unfall im Rollstuhl sitzt und längst wieder selbst am Ruder steht. Tjark steuert die „Henk de Mol“ regelmäßig eigenständig und genießt jeden Schlag.
Bürgermeister Gerwin Stöcken geht an Bord
Ein ganz besonderer Tag: Gerwin Stöcken, Bürgermeister der Landeshauptstadt Kiel, war zu Gast – und ist gleich mitgesegelt. Mit an Bord waren zwei rollstuhlfahrende Gäste, darunter Helene, die schon am Vortag mit großer Begeisterung dabei war und diesmal selbst das Ruder in die Hand nahm und das Boot steuerte. Genau dafür machen wir das. Auf dem Wasser entstand ein intensiver Austausch über unser Bootskonzept und darüber, wie sich Teilhabe auf dem Wasser dauerhaft verankern lässt – bis hin zu einem festen Angebot rund um ein Boot wie die „Henk de Mol“.
Helenes Geschichte steht dabei stellvertretend für so viele: Aus den ersten vorsichtigen Schlägen wurde am zweiten Tag pure Begeisterung – Helene nahm das Ruder selbst in die Hand und steuerte. Und sie hat klar gemacht, dass es für sie nicht bei diesem einen Erlebnis bleiben soll: Helene möchte mehr und regelmäßig segeln. Genau dieser Wunsch ist unser Antrieb. Er zeigt, warum es ein dauerhaftes, wohnortnahes Angebot braucht – und nicht nur eine Woche im Jahr. Aus einem einmaligen „Ausprobieren“ soll ein fester Platz im Leben werden.
Das große Finale: Begleitfahrt zur Windjammerparade
Am Samstag, 27. Juni 2026, haben wir den Abschluss gefeiert – genau so, wie es zu diesen Tagen passt: mittendrin. Mit der „Henk de Mol“ haben wir die traditionelle Windjammerparade begleitet und diesen verbindenden Höhepunkt der Kieler Woche live vom Wasser aus erlebt.
Vier Menschen im Rollstuhl waren an Bord – unter anderem Kirsten Bruhn, Drees Ringert, Marco und Marcel. Mit Kirsten Bruhn war eine der erfolgreichsten deutschen Behindertensportlerinnen dabei: mehrfache paralympische Goldmedaillengewinnerin und Weltrekordhalterin im Schwimmen, heute gefragte Botschafterin und Rednerin. Und mit Drees Ringert hatten wir einen echten Experten in eigener Sache an Bord: Der Rollstuhlfahrer war jahrelang Inklusionsbeauftragter des Wacken Open Air und leitet heute die Initiative „Barrierefrei Feiern“, die Veranstalter, Gemeinden und Vereine zu inklusivem Feiern berät. Inmitten der großen Windjammer, Traditionssegler und hunderter Boote auf der Förde wurde noch einmal spürbar, worum es uns geht: Teilhabe, die man nicht nur sieht, sondern erlebt.
Ebenfalls an Bord der Abschlussfahrt war Thomas Drtina, Vorstandsmitglied des Vereins Seglerhaus am Wannsee (VSAW) – ein Zeichen für die enge Verbundenheit und das gemeinsame Engagement über Kiel hinaus.
Austausch mit Kieler Woche und Politik
Die Abschlussfahrt haben wir auch genutzt, um uns über unsere Arbeit und die Zukunft des inklusiven Segelns auszutauschen – mit Dirk Ramhorst, dem Chairman der Kieler Woche, sowie mit der Landtagspräsidentin von Schleswig-Holstein, Kristina Herbst. Solche Begegnungen sind für uns von großem Wert: Inklusion braucht Sichtbarkeit, Inklusion braucht Unterstützung – und sie braucht starke Partnerinnen und Partner aus Sport, Gesellschaft und Politik.
Gäste, die uns bewegen – und weiter begleiten
Es waren die Gäste, die diese acht Tage so besonders gemacht haben. Menschen, die uns bewegt, motiviert und begeistert haben – und die uns zum Teil über die Kieler Woche hinaus weiter begleiten. Genau daraus schöpfen wir die Motivation, mehr möglich zu machen.
Unser Ziel: ein Boot wie die „Henk de Mol“ dauerhaft an vielen Standorten
Wir wollen ein Boot wie die „Henk de Mol“ dauerhaft stationieren – fest in Kiel und ebenso in Hamburg, am Bodensee, auf dem Wannsee und am Schweriner See; ein weiteres Boot soll nach Nordrhein-Westfalen kommen. Doch diese Standorte sind erst der Anfang: Dieses Boot gehört auf weit mehr Gewässer – an Seen, Flüsse und Küsten überall dort, wo Menschen im Rollstuhl bisher kein Angebot finden. So können noch mehr Menschen ganzjährig und wohnortnah erleben, was Teilhabe auf dem Wasser bedeutet.
Ein Konzept, das alle mitnimmt. Unsere Idee reicht bewusst weiter als die einzelne Ausfahrt: vom ganz niedrigschwelligen Breitensport und einfachen Ausflügen – dem Geburtstagstörn, dem Schnuppererlebnis, der gemeinsamen Stunde auf dem Wasser – bis hin zum ambitionierten Regattasport. Und zwar mit und für Rollstuhlfahrende und Menschen ohne Behinderung, gemeinsam in einem Boot. Genau das ist unser Konzept: ein Angebot, das niemanden ausschließt und für jede und jeden den passenden Zugang zum Segeln schafft – ob einmaliges Erlebnis oder Weg bis an die Regattabahn.
BENTE25 open.i – vom Unikat zur Serie. Damit aus dem Einzelstück „Henk de Mol“ eine bundesweite Flotte werden kann, entsteht gemeinsam mit BENTE Yachts und dem Designbüro Judel/Vrolijk & Co. die BENTE25 open.i – das „i“ steht für Inklusion. Als serientaugliche, deutlich günstigere Weiterentwicklung macht sie eine inklusive Bootsflotte erstmals realistisch: ein sicheres Kielboot, das nicht kentern kann, in das Rollstuhlfahrende direkt an Bord rollen, frei konfigurierbar und trailerbar – also an vielen Revieren einsetzbar. Bei der Kieler Woche stand das 1:1-Cockpit-Modell im Rahmen unseres Programms in Schilksee, damit Rollstuhlfahrende selbst Platz nehmen, Abläufe ausprobieren und uns ihr Feedback und ihre Anforderungen mitgeben konnten – diese fließen direkt in die Konstruktion ein.
Danke
Ein besonderer Dank gilt unserem Partner Inklusives Segeln für Alle e.V. mit Stephan Krings: Der Verein hat die „Henk de Mol“ entwickelt und auf die Bahn gebracht und stellt sie für die Regattabegleitfahrten zur Verfügung. Gemeinsam setzen wir die „Henk de Mol“ seit vier Jahren bei der Kieler Woche ein – ohne dieses Engagement gäbe es dieses Angebot nicht.
Unser Dank gilt außerdem allen Gästen, den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, den Hafenmeistern und dem Team des Olympiahafens Schilksee (Sporthafen Kiel GmbH) für die großartige Betreuung und Hilfsbereitschaft sowie der Landeshauptstadt Kiel für die Förderung der inklusiven Segelaktivitäten. Ihr alle macht diese acht Tage voller Emotionen erst möglich.
Ein Gemeinschaftsprojekt von Wir sind Wir Inclusion in Sailing e.V. und Inklusives Segeln für Alle e.V.
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