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Inklusives Segeln braucht starke Partner – unsere Zusammenarbeit mit dem Hamburger Segel-Club


Was hinter der Partnerschaft zwischen Wir sind Wir Inclusion in Sailing e.V. und dem Hamburger Segel-Club steckt, was sie für inklusives Segeln in Hamburg bedeutet – und warum dieses Modell Schule machen sollte.

Wer in den letzten Monaten am Hamburger Segel-Club an der Außenalster vorbeigeschaut hat, konnte es erleben: Kinder im Rollstuhl, die über den Steg zum Boot gebracht werden. Blinde Jugendliche, die mit einem breiten Grinsen vom Wasser kommen. Der Segelstammtisch freitags, zu dem alle willkommen sind. Und Regatten, bei denen Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam in einem Boot sitzen.

Das alles passiert am HSC – und es ist das Ergebnis einer engen Partnerschaft zwischen dem Hamburger Segel-Club und Wir sind Wir Inclusion in Sailing e.V. Der HSC hat dazu jetzt einen ausführlichen Beitrag auf seiner Website veröffentlicht. Ein guter Anlass, auch aus unserer Perspektive einen Überblick zu geben: Wie funktioniert diese Zusammenarbeit? Was stellen wir gemeinsam auf die Beine? Und warum sind wir überzeugt, dass dieses Modell der richtige Weg ist?

Warum Kooperation? Weil Inklusion keine Nebenbei-Aufgabe ist.

Inklusives Segeln und Para-Segelsport klingen einfach – sind es aber nicht. Der Aufwand hinter den Angeboten ist enorm: Jedes Training muss individuell abgestimmt werden, häufig im 1:1-Betreuungsverhältnis. Das bedeutet hohe Trainerkosten, speziell geschultes Personal, angepasstes Material und eine Koordination, die weit über den normalen Vereinsbetrieb hinausgeht. Dazu kommen Förderanträge, Stiftungskontakte, barrierefreie Infrastruktur und die Vernetzung mit Schulen, Einrichtungen und Verbänden. Für einen Sportverein lassen sich solche Projekte in Partnerschaft mit einem spezialisierten Träger deutlich besser realisieren – und genau so funktioniert die Zusammenarbeit zwischen dem HSC und Wir sind Wir.

Warum der HSC – und warum funktioniert es so gut?

Wir sind Wir Inclusion in Sailing e.V. arbeitet als gemeinnütziger Verein bundesweit für inklusives Segeln – als Spezialist, Impulsgeber und Netzwerker. Unter dem Vorsitz von Sven Jürgensen und mit Geschäftsführer Clemens Kraus hat der Verein unter anderem die inklusive Regattaserie Heinz Kettler Deutschland Cup gegründet, ist Mitveranstalter des Helga Cups und organisiert in Partnerschaft mit der Landeshauptstadt Kiel das inklusive Segelprogramm der Kieler Woche. 2025 veranstaltete Wir sind Wir erstmals eine inklusive Regatta im Rahmen des SailGP in Sassnitz – ein Novum weltweit.

Für diese Arbeit ist der Hamburger Segel-Club der ideale Partner: Der HSC ist der Ort, an dem die Projekte Woche für Woche lebendig werden. Wir sind Wir bringt das Know-how, die Förderkontakte und die organisatorische Kraft mit – der HSC stellt die Infrastruktur, die Trainer*innen und vor allem eine Clubgemeinschaft, die Inklusion wirklich lebt. HSC-Mitglieder profitieren direkt von den inklusiven Angeboten. Zusammen sind der HSC und Wir sind Wir die treibenden Kräfte der Initiative „Inklusive Alster“ – einem Netzwerk von sechs Hamburger Wassersportvereinen. Bereits heute gilt die Alster als das inklusivste Wassersportrevier Deutschlands.

Was macht wer? So ist die Zusammenarbeit aufgeteilt

Die Partnerschaft funktioniert, weil jeder das einbringt, was er am besten kann:

Was der HSC einbringt

Der HSC ist der Heimathafen – der Ort, an dem inklusives Segeln tatsächlich stattfindet:

  • Clubgelände, Stege, Material und Boote stehen für die inklusiven Angebote zur Verfügung
  • Trainer*innen und Ehrenamtliche des HSC unterstützen die Kurse vor Ort
  • Der Club setzt Kurse und Veranstaltungen operativ um
  • Die Teilnehmenden werden ins Clubleben integriert – sie gehören dazu und sind häufig bereits in den HSC eingetreten
  • Der HSC arbeitet daran, seinen Club Schritt für Schritt barrierefrei zu gestalten
  • Inklusives Segeln wird in bestehende Angebote integriert, wie beim Stammtisch oder in der Jugendabteilung

Was Wir sind Wir einbringt

Wir sind Wir ist Organisator, Projektträger und kümmert sich um Finanzierung und Vernetzung:

  • Zwei RS Venture Connect Boote für die Alster – die zentralen Inklusionsboote, die am HSC liegen und auch den HSC-Mitgliedern zur Verfügung stehen
  • Finanzierung der inklusiven Kurse und Projekte – durch Fördermittel, Stiftungen und Sponsoren
  • Erstellung von Förderanträgen und Pflege der Stiftungskontakte
  • Konzeptionelle Entwicklung neuer inklusiver Segelangebote
  • Überregionale Vernetzung und Kommunikation
  • Unterstützung bei der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des HSC
  • Beratung beim barrierefreien Umbau des Clubgeländes

Was passiert konkret am HSC?

Die Zahlen sprechen für sich: Allein 2025 haben über 150 Kinder und Jugendliche mit verschiedenen Beeinträchtigungen von den inklusiven Segelangeboten auf der Alster profitiert – ein großer Teil davon direkt am HSC. 2026 gehen alle bewährten Programme weiter und es kommen wichtige neue Projekte dazu.

Das läuft bereits – und geht 2026 weiter

  • Wöchentlicher Schulsegelkurs mit der Bugenhagenschule Alsterdorf (Stufe 3) – ca. 50 Kinder segeln regelmäßig am HSC
  • Segelkurse für sehbehinderte Kinder und Jugendliche – 14-täglich
  • Werner-Otto-Institut – 8 Kinder und Jugendliche, 14-täglich plus Ferienkurs
  • Schule Elfenwiese – 10 Kinder und Jugendliche
  • Individuelle 1:1 Segelkurse auf der RS Venture Connect für Kinder mit schweren Beeinträchtigungen
  • Inklusives Jüngstentraining
  • Segelstammtisch – jeden Freitag, offener Treff für alle Altersgruppen

Neu in 2026

Heinz Kettler Inclusive Youth Sailing Team Germany – das wegweisendste neue Projekt der Partnerschaft: Jugendliche mit Beeinträchtigungen werden am HSC zu gut ausgebildeten Segler*innen ausgebildet. Schirmherrin ist Anna Barth vom Germany SailGP Team, als Co-Trainerinnen sind Anna Barth und Susann Beucke (Olympia-Silber Tokio) dabei. Im Team segeln Leander (12), Sophia (10), Tristan (12) und Titus (13) – alles Jugendliche, die am HSC das Segeln gelernt haben.

Bugenhagenschule Stufe 2 – der erfolgreiche Schulsegelkurs wird auf eine zweite Stufe erweitert, damit ca. 50 weitere Kinder und Jugendliche am HSC segeln können.

Weitere 1:1 Segelkurse – immer mehr Familien fragen nach individueller Betreuung für Kinder mit schweren Beeinträchtigungen. Die Warteliste wächst, und dank neuer Förderer können 2026 weitere Plätze angeboten werden.

HerzPiraten Regatta – eine inklusive Segelregatta für herzkranke Kinder und Jugendliche am HSC, in Kooperation mit Nova Meierhenrich und dem Verein HerzPiraten e.V.

Heinz Kettler Deutschland Cup am HSC

Im Mai 2026 wird die Außenalster zur Bühne für inklusiven Regattasport auf höchstem Niveau. Der HSC richtet den 1. Spieltag der vierten Saison des Heinz Kettler Deutschland Cups aus – Deutschlands einziger inklusiver Regattaserie. Hier segeln Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam in denselben Booten und derselben Regatta – keine getrennten Klassen, echtes Miteinander auf dem Wasser. Nach der Weltpremiere beim SailGP in Sassnitz 2025 führt die Serie 2026 über drei Spieltage: Hamburg, Sassnitz im Rahmen des SailGP und erstmals ein internationales Finale beim Royal Yacht Club Warche in Belgien. HSC-Crews werden beim Finale in Belgien mit dabei sein – der Club ist damit auch international auf der inklusiven Regattabühne vertreten.

Helga Cup: Gemeinsam mittendrin

Auch beim Helga Cup – der weltweit größten Frauenregatta und einem TOP-10-Event der Freien und Hansestadt Hamburg – ist die Partnerschaft sichtbar. Der HSC ist mit Pre-Opening und Wettfahrtleitungsteams eingebunden. Der Helga Cup ist inklusiv – ein Gemeinschaftsprojekt des Norddeutschen Regatta Vereins und Wir sind Wir – und damit ein weiteres Beispiel dafür, wie der HSC und Wir sind Wir den inklusiven Segelsport auf der Alster gemeinsam gestalten.

Darauf sind beide Partner stolz

Die gemeinsame Arbeit findet weit über Hamburg hinaus Beachtung. Der Annemarie Dose Preis 2025 ging an HSC und Wir sind Wir für das inklusive Segelkurs-Projekt mit der Bugenhagenschule Alsterdorf. Es war die höchste Dotierung in der Geschichte des Preises (6.666 €), und das gesamte Preisgeld fließt direkt in den Ausbau der inklusiven Segelkurse 2026.

Clemens Kraus, Gründer und Geschäftsführer von Wir sind Wir, wurde 2025 für über 40 Jahre Einsatz im inklusiven Segelsport mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Was bedeutet diese Partnerschaft?

Die Zusammenarbeit zeigt, was möglich ist, wenn ein Sportverein und ein spezialisierter Träger gemeinsam an einem Strang ziehen. Das inklusive Segeln verändert den HSC – zum Positiven. Die Atmosphäre ist eine andere, wenn Menschen mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen gemeinsam aufs Wasser gehen. Es macht den Club offener, lebendiger und vielfältiger.

Gleichzeitig steht eine wichtige Aufgabe bevor: Das 69 Jahre alte Clubgebäude des HSC muss modernisiert und barrierefrei gestaltet werden. Barrierefreie Stege, rollstuhlgerechte Umkleiden und Sanitäranlagen, ein barrierefreier Schulungsraum – all das ist nötig für inklusive Angebote. Auch hier unterstützt Wir sind Wir den HSC mit Expertise und bei der Fördermittelakquise.

Nur 7 % aller Sportvereine in Deutschland bieten überhaupt Angebote für Menschen mit Behinderungen an. Dass der HSC hier zu den Vorreitern gehört, ist das Ergebnis einer Partnerschaft, die zeigt: Inklusion gelingt am besten gemeinsam.

Die Inklusive Alster ist ein wunderbares Beispiel dafür, warum Olympische und Paralympische Spiele nach Hamburg gehören. Inklusion wird hier nicht erst geplant – sie findet bereits statt.

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