
Boote, Training, Bühne: Was die Heinz Kettler Stiftung im inklusiven Segelsport möglich macht
12.10.2026 – Eine Partnerschaft, die den inklusiven Segelsport bewegt: Heinz Kettler Stiftung und Wir sind Wir Inclusion in Sailing e.V.
Inklusives Segeln heißt: Menschen mit und ohne Behinderung segeln gemeinsam, auf denselben Booten, nach denselben Regeln, in einer Wertung. Dafür braucht es Boote, die sich an die Person anpassen lassen, verlässliches Training, Regatten, die für alle offen sind, und Partner, die langfristig an diesen Weg glauben. Die Heinz Kettler Stiftung ist so ein Partner. Hier erzählen wir, woher ihre Unterstützung kommt und was sie 2026 möglich gemacht hat.
Wofür die Stiftung steht
Die Heinz Kettler Stiftung wurde im Dezember 1999 von Heinz Kettler und seiner Tochter Dr. Karin Kettler gegründet und hat ihren Sitz in Ense in Nordrhein-Westfalen. Ihr Leitgedanke lautet „Keep on Moving“. Sie fördert den Behindertensport, ohne sich auf eine Sportart, ein Alter oder ein Geschlecht zu beschränken. Vorstand ist Andreas Sand. Er war bei vielen unserer Veranstaltungen persönlich dabei, hat Eröffnungen und Siegerehrungen teilweise moderiert und ist für Teilnehmende, Angehörige, Ehrenamtliche und Partner ansprechbar.
Die Stiftung ist für uns mehr als eine Förderin. Sie ist Teil unseres gemeinsamen Netzwerks und hilft auch spontan, wenn etwas gebraucht wird, zum Beispiel bei der Anschaffung von Segeln und Booten. Dabei geht es immer um den inklusiven Sport und den Parasport, und immer hat sie den Menschen im Blick.
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Ein langer Atem: Die Stiftung als Wegbereiterin
Die Vorgeschichte reicht weiter zurück als der Heinz Kettler Cup. Das erste gemeinsame Projekt von Wir sind Wir und der Heinz Kettler Stiftung war 2022 die Inclusion World Championship for Sailing in Rostock. Danach folgten weitere große Veranstaltungen, die den Sport nachhaltig verändert haben.
2020 und 2021, Hamburg (Vorgeschichte): Der Norddeutsche Regatta Verein hat die ersten beiden Austragungen der Inclusion World Championship for Sailing veranstaltet. Gemeinsam mit ihm haben wir dort die ersten Regeln entwickelt.
2022, Rostock: Die dritte Inclusion World Championship for Sailing war schon deutlich größer und internationaler. Sie war das erste große inklusive Segel-Event von Wir sind Wir in Mecklenburg-Vorpommern und das erste gemeinsame Projekt mit der Heinz Kettler Stiftung. Die Stiftung förderte sie gemeinsam mit der Stadt Rostock und dem Land Mecklenburg-Vorpommern, unter der Schirmherrschaft von Ministerin Stefanie Drese. Hier gelang der erste große Schritt, die Regeln international zu machen: Gemeinsam mit World Sailing entstanden die experimentellen Inklusionsregeln. Dr. Jürgen Schwittai und Bernard Destrube von World Sailing stellten damit erstmals ein internationales Regelwerk für Inklusionsregatten auf. Nach diesen Regeln sind wir 2022 und 2023 gesegelt, und sie haben bis heute Bestand.
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3. und 4. Oktober 2024, Schwerin: Beim „Heinz Kettler – inklusiver Segel-Länderpokal“ im Rahmen der Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit segelten 16 Teams, eines aus jedem Bundesland, 24 Wettfahrten. Direkt danach wurde auf dem Schweriner See das Cup-Finale ausgetragen.
Diese Events waren große Initiatoren und Motoren für den inklusiven Segelsport, und die Stiftung hat sie weitsichtig angeschoben. Seit Rostock ist daraus eine enge und treue Partnerschaft gewachsen, mit der Stiftung ebenso wie mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern.
Was die Partnerschaft trägt
Die Stiftung unterstützt vier Bausteine, die ineinandergreifen:
- Heinz Kettler Cup: die erste und bislang einzige nationale inklusive Regattaserie Deutschlands, 2023 gemeinsam vom Yachtclub Möhnesee, der Stiftung und Wir sind Wir gegründet. Die Boote werden gestellt, kein Team muss ein eigenes Boot besitzen oder transportieren.
- Heinz Kettler Inclusive Youth Sailing Team Germany: unser Jugendteam, aufgebaut im Oktober 2025 gemeinsam mit dem Hamburger Segel-Club.
- BAT Sailing Team: Blinde, sehbehinderte, hörende und gehörlose Seglerinnen und Segler treten in der 2. Deutschen Segel-Bundesliga an.
- Helga Cup: Die Stiftung unterstützt die weltweit größte Frauensegelregatta, ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Norddeutschen Regatta Verein. Frauen mit und ohne Behinderung segeln auf der Alster, mit einer inklusiven Klasse auf der RS Venture Connect.
Dazu kommt die RS Venture Connect Flotte, die die Stiftung der Arbeit von Wir sind Wir zur Verfügung stellt. Das Boot lässt sich mit Sitzsystemen und Begleitung an Bord an die jeweilige Person anpassen, auch bei schweren körperlichen Behinderungen. Dieselben Boote kommen im Schulsegeln, im Jugendtraining, im Eins-zu-eins-Training und auf der Regatta zum Einsatz. Ein Boot kann einen ersten eigenständigen Handgriff ermöglichen und später sportliche Leistung sichtbar machen.
Was die Partnerschaft 2026 bewegt hat
Zugang: Inklusion zum Anfassen. Am 5. Mai fand auf der Außenalster ein großer inklusiver Segelaktionstag statt, gemeinsam mit dem Hamburger Segel-Club und den Partnern der Inklusiven Alster, anlässlich des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Das Landessportamt Hamburg und das Vorprojekt Paralympische und Olympische Spiele der Stadt Hamburg waren Co-Gastgeber. Bei der Pressekonferenz am Steg wurden alle Bausteine gemeinsam vorgestellt. Es gab Schulsegeln, Segeln für blinde und sehbehinderte Menschen, offenes Probesegeln und Training, und auch Menschen im Rollstuhl kamen an Bord. Gemeinsam mit der Stadt Hamburg entstand ein Film.
Bei der Kieler Woche waren zwei RS Venture Connect für Segelkurse mit blinden und sehbehinderten Erwachsenen im Einsatz, mit dem Branding der Stiftung auf den Segeln. Beim Finale in Bütgenbach kam eines der Boote bei einem Schulangebot für Kinder mit und ohne Behinderung zum Einsatz.
Training und Entwicklung. Im Jugendteam wurden 2026 alle sechs geplanten Trainingswochenenden durchgeführt, fünf davon auf der Alster und eines während der Kieler Woche. Dazu kommt regelmäßiges Training zwischen den Wochenenden. Die Kinder üben Bootshandling, Steuern, Schotbedienung, Orientierung zu Wind und Kurs, Kommunikation und gemeinsame Entscheidungen. Anna Barth begleitet das Projekt als Schirmherrin. Auch Erwachsene nutzten die Flotte zur Vorbereitung auf die Para- und Inklusions-Segelweltmeisterschaft.
Wettkampf. Der Heinz Kettler Cup führte 2026 an drei Orte:
- Hamburg, 14./15. Mai: 16 Crews, 24 Wettfahrten, Ausrichter Hamburger Segel-Club.
- Sassnitz, 18. bis 20. August: inklusiver SailGP Sassnitz 2026, parallel zum SailGP, 15 Crews aus vier Nationen, 32 Wettfahrten.
- Bütgenbach, 19./20. September: 9 Crews, 27 Wettfahrten, Ausrichter Royal Yacht Club Warche. Es war der erste Spieltag außerhalb Deutschlands.
Insgesamt wurden 83 Wettfahrten gesegelt, 21 Teams aus vier Nationen gingen in die Gesamtwertung ein. Es gewann SALTO vor dem Alster HSC und dem BLAG Sailing Team.
Beim 9. Helga Cup vom 11. bis 14. Juni mit rund 360 Seglerinnen aus acht Nationen gewann Sophia mit ihrem Team die inklusive Klasse auf der RS Venture Connect, im gemeinsamen Wettbewerb mit erfahrenen Seglerinnen. Bei der RS Venture Connect Europameisterschaft im Rahmen der Travemünder Woche holte ein Wir sind Wir Team Silber im inklusiven Wettbewerb. Stephanie Brix und Dirk Thalheim, aktuell Deutschlands bestes Para-Team, gewannen Bronze in der Para-Wertung. Beide Erfolge wurden auf Booten der Stiftung gesegelt.
Das BAT Sailing Team segelt im regulären Ligabetrieb. Der letzte veröffentlichte Zwischenstand vom 21. September nennt Platz acht beim vierten Spieltag am Berliner Wannsee und Rang zehn in der Saisonwertung. Beim inklusiven Cup-Spieltag in Sassnitz erreichten Christina Schober und Saskia Gense für das Team Platz zwei.
Sichtbarkeit und Netzwerk. Die Stiftung ist Teil der Programmnamen und tritt als Förderin auf. Über die Saison hat die Presse mehrfach berichtet, unter anderem die YACHT. Dazu kommen die enge Zusammenarbeit mit dem Yachtclub Möhnesee als Partner und Mitveranstalter des Cups, dem Hamburger Segel-Club und vielen ehrenamtlich Engagierten.
Was die Partnerschaft sichtbar macht
Andreas Sand sagte zum Cup in Sassnitz: „Genau diese Verbindung aus sportlichem Ehrgeiz und Gemeinschaft ist echte, gelebte Inklusion im Sport.“ Das ist, was die Förderung ausmacht: Sie schafft Zugang, Training und Wettkampf in einem Zug, und sie macht sichtbar, was möglich ist. Der Verein allein könnte weder Boote in dieser Zahl bereitstellen noch ein Netzwerk aus Cup, Jugendteam, Bundesliga und Helga Cup tragen.
Wir brauchen mehr solche Partner
Inklusiver Segelsport lebt von Menschen und Organisationen, die langfristig denken. Die Heinz Kettler Stiftung zeigt, wie das geht. Wenn Sie als Unternehmen, Stiftung oder Privatperson mithelfen möchten, damit noch mehr Menschen gemeinsam segeln können, sprechen Sie uns an.
Ausblick 2027
Der Cup soll international weiterentwickelt werden. Als nächste Stationen sind der Möhnesee und Sassnitz vorgesehen. Wir wollen den Heinz Kettler Cup, den Helga Cup und den inklusiven SailGP Sassnitz mit verlässlichen Partnern weiterentwickeln. Auch das Jugendteam soll weiter wachsen. Andreas Sand sagte dazu im September: „Die Heinz Kettler Stiftung wird diesen Weg auch künftig nachhaltig unterstützen.“
Unser Dank
Wir danken der Heinz Kettler Stiftung und Andreas Sand für das Vertrauen und die langjährige Unterstützung, für die schnelle Hilfe, wenn es darauf ankam, für den Mut, schon früh auf große Bühnen wie Rostock und Schwerin zu setzen, und für die Boote, mit denen aus einzelnen Angeboten ein Netzwerk wurde. Unser Dank gilt auch dem Yachtclub Möhnesee, dem Hamburger Segel-Club, dem Norddeutschen Regatta Verein, den Ausrichtern und allen ehrenamtlich Engagierten.
Kontakt und Fragen: sven.juergensen@wir-sind-wir.org
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