Zum Hauptinhalt springen

Zurück auf der Alster: Inklusives Segeln, Woche für Woche

Die Ferien sind vorbei – und auf der Außenalster hat der Alltag wieder begonnen. Vormittags segeln die Kinder und Jugendlichen der Bugenhagenschule Alsterdorf, nachmittags die Teilnehmenden des Werner Otto Instituts. Zwei Projekte, ein Anspruch: nicht einmal schnuppern, sondern wirklich Segeln lernen.

Es gibt diese Momente, in denen sich zeigt, wofür ein ganzes Projekt gemacht ist. Zum Beispiel, wenn ein Mädchen spontan am Steg steht, zum ersten Mal in ihrem Leben an Bord geht – und nach dem Anlegen sagt, dass sie wiederkommen möchte. Genau das ist in dieser Woche passiert. Doch der Reihe nach.

Vormittags: Schulunterricht auf dem Wasser

Seit dieser Woche sind die Kinder und Jugendlichen der Bugenhagenschule Alsterdorf wieder an der Alster. Jeden Mittwoch und jeden Donnerstag am Vormittag – nicht als Ausflug, nicht als Projektwoche, sondern als fester Bestandteil des Schulunterrichts.

2026 führen wir den etablierten Kurs der Stufe 3 fort und erweitern das Angebot um einen neuen wöchentlichen Kurs für die Stufe 2. Das war ein ausdrücklicher Wunsch der Lehrkräfte nach dem Erfolg der vergangenen Saison. Über 100 Kinder und Jugendliche der beiden Stufen 2 und 3 bekommen dadurch Zugang zum inklusiven Segeln – auf J/22-Kielbooten und auf der barrierefreien RS Venture Connect.

Ein Betreuungskonzept, das seinesgleichen sucht

Was dieses Projekt trägt, ist die Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Schulleitung, Lehrkräfte, Betreuerinnen und Betreuer, Schulbegleitungen und persönliche Assistenzen sind bei jedem Termin mit an Bord. Wir sind Wir Inclusion in Sailing e.V. verantwortet gemeinsam mit dem Hamburger Segel-Club das Segeltraining und die Segelausbildung – die Begleitung der individuellen Bedarfe liegt bei einem Team, das jedes Kind und jeden Jugendlichen kennt.

Diese Aufgabenteilung ist der Grund, warum das Konzept funktioniert: Sicherheit, Wohlfühlen und fachliche Begleitung sind damit von Anfang an abgedeckt. Niemand muss improvisieren, niemand muss sich Kompetenzen anmaßen, die er nicht hat. Jede und jeder tut das, was er oder sie am besten kann.

Auch schwere Beeinträchtigungen sind kein Ausschlusskriterium

Bei vielen unserer Kurse segeln Kinder und Jugendliche mit schweren körperlichen Beeinträchtigungen mit. Möglich wird das durch unsere Spezialboote vom Typ RS Venture Connect: Sie sind barrierefrei ausgestattet und lassen sich an die jeweiligen Bedarfe anpassen. So kommt an Bord, wer an Bord kommen möchte – unabhängig davon, wie mobil jemand an Land ist.

Nachmittags: der Segelkurs mit dem Werner Otto Institut

Am Donnerstagnachmittag wechselt die Besetzung am Steg des Hamburger Segel-Clubs. Dann startet unser Segelkurs mit dem Werner Otto Institut, der ebenfalls in dieser Woche wieder aus den Ferien zurückgekehrt ist.

Lillys erster Törn

Der Auftakt hatte gleich einen besonderen Moment. Spontan hatten wir Besuch von Lilly und ihrer Mutter Sylvia. Lilly hat Trisomie 21 und interessiert sich fürs Segeln – lange überlegen mussten wir nicht. Schwimmweste an, ab aufs Wasser.

Ihr erster Törn war ein voller Erfolg. Man hat ihr angesehen, wie sehr sie es genossen hat. Und das Wichtigste: Lilly möchte wiederkommen und weitersegeln.

Genau dafür machen wir das. Wer neugierig ist, soll ausprobieren dürfen – ohne Hürden, ohne Wartezeit, ohne lange Erklärungen. Segeln ist nicht umsonst eine der inklusivsten Sportarten überhaupt: Auf dem Wasser zählt, was eine Crew gemeinsam schafft.

Mit an Bord war an diesem Nachmittag auch Dr. Joachim Riedel, Leiter des Werner Otto Instituts, gemeinsam mit seiner Tochter. Ein Partner, der nicht nur vom Steg aus zuschaut, sondern selbst mitsegelt – schöner kann eine Zusammenarbeit kaum aussehen.

Was ist das Werner Otto Institut?

Das Werner Otto Institut (WOI) ist ein Sozialpädiatrisches Zentrum in Hamburg, spezialisiert auf Diagnostik und Behandlung von Entwicklungsverzögerungen und Behinderungen bei Kindern und Jugendlichen sowie auf Elternberatung. Dort arbeiten Ärztinnen und Ärzte, Psychologinnen und Psychologen, Therapeutinnen und Therapeuten, Pflegekräfte, niedergelassene Kinderärztinnen und -ärzte sowie Kinder- und Jugendpsychiaterinnen und -psychiater eng zusammen. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche bei einem möglichst selbstständigen und selbstbestimmten Leben zu unterstützen.

Der Kurs

Der Kurs richtet sich an Kinder ab acht Jahren – teils mit, teils ohne Beeinträchtigung, die gemeinsam segeln. Begleitet wird er von professionellen Segeltrainerinnen und -trainern. Gesegelt wird auf Kielbooten, die ein hohes Maß an Stabilität und damit an Sicherheit bieten. Ergänzt wird das Angebot durch einen Feriensegelkurs des WOI unter dem Motto „Eltern und Kinder segeln gemeinsam“.

Gestartet ist das Projekt 2024, unter anderem mit einem Tag der offenen Tür im Juni 2024 beim Hamburger Segel-Club. Inzwischen ist der Kurs fest etabliert.

Warum uns Regelmäßigkeit wichtiger ist als der schöne Einzeltag

Einmal schnuppern ist schön. Ein Aktionstag erzeugt Bilder, Aufmerksamkeit und gute Laune. Aber die entscheidende Frage stellt sich am Tag danach: Was kommt jetzt?

Deshalb bauen wir unsere Angebote so, dass sie über die Saison tragen. Woche für Woche, mit denselben Gesichtern, mit wachsendem Können. Nur so entsteht das, was Sport für Menschen mit Behinderungen leisten kann: Selbstwirksamkeit, Routine, Zugehörigkeit – und irgendwann die Erkenntnis, dass man hier nicht Gast ist, sondern Crewmitglied.

Uns ist wichtig, beides zu können: ambitionierten Regattasport wie beim inklusiven Heinz Kettler Cup, den wir gerade gemeinsam mit dem Germany SailGP Team parallel zum ROCKWOOL Germany Sail Grand Prix in Sassnitz veranstaltet haben – und nachhaltige, regelmäßige, niedrigschwellige Segelangebote auf der Alster. Das eine ist die Spitze, das andere das Fundament. Ohne Fundament keine Spitze.

Dass das Segeln für viele Teilnehmende auch therapeutisch wertvoll ist, bestätigen uns Lehrkräfte, Betreuerinnen und Betreuer sowie Therapeutinnen und Therapeuten immer wieder.

Die Zahlen aus der vergangenen Saison: 2025 haben über 150 Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen von unseren regelmäßigen inklusiven Segelkursen auf der Alster profitiert.

Danke an unsere Partner und Förderer

Beide Projekte leben von Menschen und Institutionen, die sie möglich machen.

Schulsegeln Bugenhagenschule Alsterdorf: Unser Dank gilt der Becker-Kerner-Stiftung, dem Förderverein Bugenhagenschule Alsterdorf, Bildungsengel e.V., der Peter Jensen Stiftung, BILD hilft e.V. „Ein Herz für Kinder“, der Ingeborg-Gross-Stiftung und der Evangelischen Stiftung Alsterdorf.

WOI-Segelkurs: Der Kurs wird von Wir sind Wir Inclusion in Sailing e.V. in Kooperation mit dem Werner Otto Institut und dem Hamburger Segel-Club organisiert. Gefördert wird das Projekt von der Kroschke Kinderstiftung und der Günter und Vera Faasch Stiftung.

Und ein großes Danke an die Bugenhagenschule Alsterdorf und den Hamburger Segel-Club – für eine Partnerschaft, die diese Projekte Woche für Woche trägt.

Ausblick: 2027 wollen wir weiter ausbauen

Für die vollständige Umsetzung beider Kursstufen an der Bugenhagenschule Alsterdorf im Jahr 2026 suchen wir aktuell noch weitere Förderer und Sponsoren. Und für 2027 haben wir uns vorgenommen, unsere inklusiven Segelangebote weiter auszubauen – insbesondere für Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen.

Jede Unterstützung zählt: für Bootsmaterial, für Trainerstunden, für zusätzliche Kursplätze. Wer Teil davon werden möchte, ist herzlich eingeladen, sich zu melden.

Kontakt

Sven Jürgensen

Vorsitzender, Wir sind Wir Inclusion in Sailing e.V.

sven.juergensen@wir-sind-wir.org

www.wir-sind-wir.org

Datenschutz
Wir, Wir sind Wir e.V. (Vereinssitz: Deutschland), verarbeiten zum Betrieb dieser Website personenbezogene Daten nur im technisch unbedingt notwendigen Umfang. Alle Details dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Datenschutz
Flagge Deutsch
Wir, Wir sind Wir e.V. (Vereinssitz: Deutschland), verarbeiten zum Betrieb dieser Website personenbezogene Daten nur im technisch unbedingt notwendigen Umfang. Alle Details dazu in unserer Datenschutzerklärung.