Vorbild für Inklusion: Wie das BAT Sailing Team den Segelsport verändert
Hamburg/Hoyerswerda, Januar 2026 – Was vor fünf Jahren als kleiner Segelworkshop für Sehbehinderte und Blinde mit vier Personen begann, hat sich zu einem der bekanntesten inklusiven Segelteams Deutschlands entwickelt. Das BAT Sailing Team zeigt eindrucksvoll, dass Segeln wirklich ein Sport für alle ist – und ist damit Vorreiter für gelebte Inklusion im ambitionierten Regattasport.
5 Jahre BAT Sailing Team: Auf dem Weg in die 3. Bundesliga-Saison
Das BAT Sailing Team – gelebte Inklusion auf der Regattabahn – ein Gemeinschaftsprojekt des Norddeutschen Regatta Vereins und Wir sind Wir Inclusion in Sailing, hat 2025 einen bemerkenswerten Meilenstein erreicht: Nach fünf spannenden Spieltagen in der 2. Deutschen Segel-Bundesliga sicherte sich das inklusive Team mit dem 10. Platz beim Finale den 11. Gesamtplatz von 18 Teams und damit erfolgreich den Klassenerhalt.
Beim 4. Spieltag der Saison 2025 am Wannsee zeigte das BAT Sailing Team eindrucksvoll gelebte Inklusion auf der Regattabahn und erreichte mit Platz 6 das beste Saisonergebnis. Mit zwei Tagessiegen und den Platzierungen 1, 4, 3, 5, 1, 3 bewies das Team sein großes Potenzial. Zusätzlich wurde das BAT Liga Team mit Mieke Klein, Marvin Hamm, David Koch und Jan Mense Vize-Meister der Mitteldeutschen Segelvereine – ein weiterer eindrucksvoller Erfolg.
2026 ist ein besonderes Jahr: Das BAT Sailing Team feiert sein fünfjähriges Jubiläum. Aktuell segeln 18 Personen mit und ohne Behinderungen gemeinsam Regatten – darunter Menschen mit Sehbehinderungen, blinde Menschen, Menschen im Rollstuhl und gehörlose Menschen. Erstmals werden 2026 auch zwei Kinder und Jugendliche mit Sehbehinderung Teil des Teams. Das Team konnte 2025 weitere neue Mitglieder begrüßen und aufnehmen. Nach dem erfolgreichen Klassenerhalt geht das Team 2026 in seine dritte Bundesliga-Saison –
ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass Inklusion im ambitionierten Regattasport nicht nur möglich ist, sondern den Sport für alle bereichert. Als Schirmherrin unterstützt Susann Beucke, die Silbermedaillengewinnerin von Tokio im olympischen Segeln, das Projekt.
Der jährliche Teamworkshop unter Leitung der professionellen Teamcoach Andrea Loth, die das BAT Sailing Team nun seit drei Jahren begleitet, bildet eine wertvolle Grundlage für jede Saison. Unter dem Motto „Weiter wachsen“ arbeitet das Team an Strukturen und Zielen – denn die Vision ist klar: #alleanbord. Segeln ist eine der inklusivsten Sportarten – auf dem Wasser zählen Teamgeist und Kommunikation, nicht körperliche Einschränkungen. Das BAT Sailing Team will zeigen: Was auf der Regattabahn möglich ist, muss auch in Gesellschaft, Wirtschaft und Arbeitsleben möglich sein.
Neben dem ambitionierten Regattasport engagiert sich das BAT Sailing Team auch in der Ausbildung: Regelmäßig werden Segelworkshops für Sehbehinderte und Blinde realisiert. So findet seit mehreren Jahren in Kooperation mit Rotary Deichtor und dem Norddeutschen Regatta Verein der beliebte Fledermaus-Segelkurs statt. Zusätzlich organisiert das Team jährlich einen Schnupperkurs in Zusammenarbeit mit dem Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V. – eine wichtige Brücke, um neue Menschen für den inklusiven Segelsport zu begeistern.
Vom Blindensegel-Workshop zum SailGP
David Koch, sehbehinderter Physiotherapeut, nahm 2020 an einem Blindensegel-Workshop teil, wurde Mitbegründer des BAT Sailing Teams und betreute 2025 als offizieller Physiotherapeut die SailGP-Crews in Sassnitz. Seine inspirierende Geschichte zeigt exemplarisch, welche Türen inklusives Segeln öffnen kann.
Wissenschaftliche Zusammenarbeit: Internationale Anerkennung für inklusive Segelarbeit
Die dreijährige wissenschaftliche Begleitung des BAT Sailing Teams wurde in der renommierten internationalen Fachzeitschrift „Frontiers in Sports and Active Living“ veröffentlicht – ein bedeutender Meilenstein für das inklusive Segeln in Deutschland.
Die Studie „Sailing together: challenges for an inclusive team of visually impaired and sighted athletes at Kiel Week“ dokumentiert die Entwicklung des BAT Sailing Teams von 2021 bis 2023. Ein Forscherteam der Humboldt-Universität Berlin, der Leuphana Universität Lüneburg und der Universität Hamburg unter Leitung von Dr. Steffen Greve begleitete das Team wissenschaftlich durch drei Kieler Wochen.
Zentrale Erkenntnisse der Studie
Kommunikation als Schlüssel zum Erfolg: Die gemeinsame Kommunikation zwischen sehenden und blinden Athletinnen hat sich als besondere Stärke des Teams entwickelt. Die neu entwickelten Kommunikationsformen professionalisieren nicht nur das inklusive Segeln, sondern werden von den Athletinnen auch in andere Segelbereiche übertragen.
Profitieren alle Beteiligten: Besonders bemerkenswert ist die Erkenntnis, dass gerade die sehenden Seglerinnen enorm von den gemeinsam entwickelten Kommunikationsformen profitieren und diese als Bereicherung für ihre gesamte Segelpraxis empfinden.
Balance zwischen Leistung und Teilhabe: Das Team hat erfolgreich den Spagat zwischen „Teilhabe für alle“ und wettkampforientiertem Segeln gemeistert und dabei neue Standards für inklusiven ambitionierten Sport gesetzt.
„Frontiers in Sports and Active Living“ ist eine international anerkannte, peer-reviewed Open-Access-Zeitschrift. Die Veröffentlichung bedeutet, dass die Arbeit einem strengen wissenschaftlichen Begutachtungsverfahren standgehalten hat und nun weltweit sichtbar ist. „Segeln ist eine der inklusivsten Sportarten“, bestätigt das Forscherteam. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen wird 2026 die wissenschaftliche Begleitung mit der Universität Hamburg voraussichtlich fortgeführt.
Der vollständige Artikel ist als Open-Access-Publikation frei zugänglich unter: http://dx.doi.org/10.3389/fspor.2025.1602925
Individuelle Nachwuchsförderung: Neue Wege im Segeln mit sehbehinderten und blinden Kindern und Jugendlichen
Die wegweisende Ausbildungsinitiative „Segeln ohne Grenzen“ zeigte 2025 beeindruckende Erfolge. Titus und Sophia waren die Pioniere dieser besonderen Programme, die gezielt blinde und sehbehinderte Kinder und Jugendliche ausbilden. Das BAT Sailing Team versteht sich dabei als Vorbild und Motor für Inklusion und sorgt aktiv für Nachwuchs und dessen Ausbildung.
Titus: Vom Segelkurs zur Mittwochsregatta
Der 12-jährige Titus, der sehbehindert ist, nimmt seit April 2025 gemeinsam mit seinem Freund Sander an einem speziellen inklusiven Segelkurs teil. Das Programm wurde von Wir sind Wir Inclusion in Sailing in Kooperation mit dem Hamburger Segel-Club entwickelt und wird vom Bildungszentrum für Sehbehinderte und Blinde Hamburg sowie der Allianz für die Jugend e.V. Nordwest unterstützt.
Titus‘ Geschichte zeigt die Bedeutung individueller Förderung: Nach einer frustrierenden Erfahrung in einem regulären Segelkurs, bei dem nicht auf seine Sehbehinderung eingegangen wurde, bekam er durch das speziell angepasste Training eine zweite Chance. Gemeinsam mit seinem Freund Sander trainierte er intensiv mit Trainer Calle Sibbert. Das Ziel war die Teilnahme an der Mittwochsregatta des Hamburger Segel-Clubs.
Sophia: Von der Alster zum SailGP
Eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte: Die 10-jährige sehbehinderte Sophia begann im Mai 2025 ihren Segelkurs auf der Hamburger Alster, unterstützt von Olympia-Silbermedaillengewinnerin Susann Beucke. Ihr Weg führte sie von der ersten Segelstunde bis zu den Internationalen Deutschen Meisterschaften im inklusiven Segeln beim SailGP in Sassnitz, wo sie als jüngste Teilnehmerin an den Start ging.
Bei der IDM erreichte Sophia gemeinsam mit ihrer Crewpartnerin Maren Hahlbrock mit konstanten Leistungen den zweiten Platz. Zuvor war sie bereits als jüngste Teilnehmerin beim Helga Cup, der weltweit größten Frauensegelregatta, auf der Hamburger Außenalster an den Start gegangen. Ihre Geschichte zeigt eindrucksvoll, dass Alter im inklusiven Segelsport keine Grenzen setzt.
Beim Debüt auf der Kieler Woche segelte Sophia erstmals auf der Ostsee. „Das Segeln auf dem Meer gefiel ihr sofort. Das ist eine ganz neue Erfahrung für Sophia, die sonst auf der Außenalster segelt. Auf der Ostsee ist die Windrichtung viel stabiler als auf der Alster“, berichtete Trainer Calle Sibbert.
Die Initiative zeigte positive Wirkungen über den Wassersport hinaus: Die Eltern von Titus waren so begeistert, dass sie eine eigene Spendenaktion für die inklusiven Segelprojekte ins Leben riefen.
Vier Säulen des Erfolgs –
Systematischer Ansatz für Inklusion
Das Erfolgskonzept von „Wir sind Wir“ basierte auf vier zentralen Elementen:
1. Ausbildung und Möglichkeiten schaffen
Die Ausbildungsinitiative „Segeln ohne Grenzen“ ist ein Meilenstein in der Nachwuchsförderung. Ergänzt wird das Angebot durch etablierte Formate wie den Segelkurs „Fledermaus“ mit Rotary Deichtor (seit drei Jahren), Schnupperkurse während der Kieler Woche und weitere Segel-Workshops für Menschen mit unterschiedlichem Grad der Sehbeeinträchtigung. Die Altersspanne der Teilnehmer reicht von jungen Menschen bis über 80 Jahre.
3. Wissenschaftliche Begleitung
Die dreijährige wissenschaftliche Begleitung durch die Universität Hamburg, Humboldt-Universität Berlin und Leuphana Universität Lüneburg wurde in „Frontiers in Sports and Active Living“ veröffentlicht. Die Erkenntnisse werden genutzt, um Inklusion in anderen Sportarten voranzubringen. 2026 wird die wissenschaftliche Begleitung mit der Universität Hamburg voraussichtlich fortgeführt
2. Sichtbarkeit durch ambitionierten Regattasport
Das BAT Sailing Team als Beispiel für gelebte Inklusion auf der Regattabahn zieht Medienaufmerksamkeit an: NDR 90,3 sendete im August 2025 eine Reportage über das inklusive Segeln im Hamburger Hafenkonzert. Das Team nimmt erfolgreich an renommierten Regatten wie der Kieler Woche teil. Diese Präsenz zeigt der Öffentlichkeit, dass inklusives Segeln auf höchstem Niveau möglich ist.
4. Potenzialentfaltung im ambitionierten Regattasport
Die Teilnahme an der 2. Segel-Bundesliga zeigt, dass inklusive Teams auch im ambitionierten Regattasport erfolgreich sein können. Das Ligaformat zeichnet sich durch kurze, sehr intensive Rennen aus, die zu action-reichen Bildern führen und in den Segelmedien eine hohe Präsenz haben.
Innovative Projekte: Von der Alster auf die Ostsee
Ein besonderes Highlight war das wegweisende Offshore-Segelprojekt auf der legendären Volvo Ocean Race-Siegeryacht ILLBRUCK (jetzt „SkenData“) vor der Küste Warnemündes. Bei diesem inklusiven Offshore-Segelerlebnis am 4. Juni 2025 segelten zwölf Personen mit und ohne Beeinträchtigungen gemeinsam – darunter der paralympische Goldmedaillengewinner Siegmund Mainka sowie vier blinde und sehbehinderte Menschen aus Rostock und Hamburg. Das Projekt, durchgeführt in Kooperation mit Speedsailing Rostock und dem Rostocker Regatta Verein, zeigte eindrucksvoll, dass auch im anspruchsvollen Offshore-Bereich inklusive Teilhabe möglich ist.
Starke Partnerschaften ermöglichen Träume
Der Erfolg des Projekts basiert auf einem starken Netzwerk von Unterstützern und etablierten Kooperationen. Die Projekte auf der Alster und das BAT Sailing Team sind Kooperationsprojekte mit dem Hamburger Segel-Club und dem Norddeutschen Regatta Verein, die als Heimatvereine eine unverzichtbare Basis bieten.
Die Reinhard Frank-Stiftung ist seit sechs Jahren der langjährige Partner, der die Grundlage für alle Projekte, Ausbildungs- und Segelaktivitäten des BAT Sailing Teams sowie alle Segelprojekte im Bereich des Segelns für Blinde und Sehbehinderte sicherstellt. Weitere Partner wie die Heinz Kettler Stiftung, Torqeedo, Pantaenius, Zhik, Peter Frisch GmbH, Akquinet, ONE, e-Boot Hamburg, Elvström Deutschland, REWE und Zürcher ermöglichen es, dass Träume vom Segeln Realität werden können.
Blick in die Zukunft: 2026 und darüber hinaus
Das BAT Sailing Team geht mit ehrgeizigen Zielen in die Saison 2026. Die dritte Bundesliga-Saison steht bevor und das Team plant, die inklusive Erfolgsgeschichte fortzuschreiben. Zusätzlich wird das Team Partner der KinderAugenkrebsStiftung und übernimmt vom 14. bis 17. Mai 2026 in Kooperation mit dem Hamburger Segel-Club die Organisation und Durchführung eines Segelkurses für die Stiftung.
Das Programm 2026
Frühjahr:
21.–22. März: J/70 Alster Regatta NRV
28.–29. März: J/70 Alster Regatta HSC
2.–5. April: J/70 Training und Regatta Kopenhagen
Frühsommer:
15.–16. Mai: Heinz Kettler Deutschland Cup Möhnesee
23.–25. Mai: Trainingslager Lausitz
29.–31. Mai: Internationale Deutsche Meisterschaft RS Venture Connect – Prien/Chiemsee
12.–14. Juni: Helga Cup Hamburg
Kieler Woche:
20.–28. Juni: Training und Regatta sowie Blinden- und Sehbehindertenkurs für die Landeshauptstadt Kiel
Sommer:
8.–11. Juli: J/70 Internationale Deutsche Meisterschaft 16.–21. Juli: RS Venture Connect Europameisterschaften 18.–20. August: Inklusive RS Venture Regatta im Rahmen des SailGP Sassnitz
Herbst:
19.–20. September: Heinz Kettler Deutschland Cup – Belgien | Oktober: World Championship RS Venture Connect – Portugal
7.–8. November: Väterchen Frost Alster – HSC
14. November: Kalte Kanne Alster – NRV
2. Deutsche Segel-Bundesliga: An fünf Spieltagen wird das Team erneut beweisen, dass Inklusion und ambitionierter Regattasport zusammengehören: 17.–19. April und 1.–3. Mai: Starnberger See | 10.–12. Juli: Kieler Förde | 18.–20. September: Wannsee Berlin | 15.–17. Oktober: Finale Wannsee Berlin. Hinzu kommen gemeinsame Trainings mit dem Heinz Kettler Inclusive Youth Sailing Team Germany.
Die wissenschaftliche Begleitung mit der Universität Hamburg wird 2026 voraussichtlich fortgeführt. Diese Forschungspartnerschaft wird helfen, die Qualität der Arbeit kontinuierlich weiterzuentwickeln und die gewonnenen Erkenntnisse zum Nutzen aller inklusiven Segelprojekte zu dokumentieren und zu teilen.
Dieses umfangreiche Programm – von internationalen Meisterschaften in Portugal über die Europameisterschaften bis hin zu Regatten in Belgien und Kopenhagen – zeigt eindrucksvoll: Das BAT Sailing Team ist längst nicht mehr nur ein deutsches Projekt, sondern ein international vernetzter Akteur im inklusiven Segelsport. Inklusion im Segelsport ist nicht nur möglich, sondern bereichert den Sport für alle.
Weitere Informationen und aktuelle News finden Sie unter: www.wir-sind-wir.org
Kontakt:
Wir sind Wir – Inclusion in Sailing e.V.
E-Mail: sven.juergensen@wir-sind-wir.org
Tel: +49 171 6835555