
Was die „Johann Max Böttcher“ auf der Alster bewegt hat
Vor knapp einem Jahr stellte die Böttcher Stiftung die Mittel für eine neue RS Venture Connect bereit. Seit dem Frühjahr liegt das Boot fest beim Hamburger Segel-Club – und hat sich in einer Saison zum Rückgrat der inklusiven Segelaktivitäten auf der Alster entwickelt. Ein Rückblick – damit nicht in Vergessenheit gerät, was eine einzige Spende bewirkt und möglich macht.
Die Spende – und ein Name für das Boot
Am 17. Oktober 2025, bei der Eröffnung des Finales des Heinz Kettler Deutschland Cups beim Hamburger Segel-Club, übergab Oliver von Schweinitz für die Böttcher Stiftung die Spende für eine neue RS Venture Connect – ein barrierefreies Segelboot, das von World Sailing als internationale Standardklasse für Para- und Inklusionssegeln anerkannt ist. Trainerinnen und Trainer können mit an Bord segeln, Sitze und Steuerung lassen sich individuell anpassen. Die Evangelische Stiftung Alsterdorf ergänzte die Finanzierung des Bootes zu Jahresbeginn 2026 mit einer weiteren Spende.
Im Frühjahr 2026 wurde das Boot geliefert. An Himmelfahrt, beim 1. Spieltag des Heinz Kettler Deutschland Cups 2026 auf der Außenalster, taufte Sophia aus dem Heinz Kettler Inclusive Youth Sailing Team Germany das Boot auf den Namen des Stifters: „Johann Max Böttcher“. Seitdem liegt es ganzjährig beim Hamburger Segel-Club an der Alster. Gemeinsam mit der „DuDa“ ist es eines von nur zwei barrierefreien Spezialbooten, die fest auf der Alster stationiert sind.

Was das Boot seit Mai möglich gemacht hat
Inklusives Segeln heißt: Menschen mit und ohne Behinderung segeln gemeinsam in denselben Booten – vom ersten Probesegeln bis zum ambitionierten Regattasport. Auf der Alster ist die „Johann Max Böttcher“ dafür in dieser Saison an fast jedem Tag im Einsatz gewesen:
Training des Heinz Kettler Inclusive Youth Sailing Team Germany. Vier Kinder und Jugendliche mit Behinderung trainieren auf dem Boot den Weg in den ambitionierten Regattasport – gemeinsam mit dem Hamburger Segel-Club, wöchentlich und an zweitägigen Trainingswochenenden. Sophia, die vor rund anderthalb Jahren mit dem Segeln begonnen hat, segelte 2026 mehrere Regatten in dieser Bootsklasse: Sie gewann den Helga Cup, die weltweit größte Frauensegelregatta, und erreichte beim Finale des Heinz Kettler Deutschland Cups im belgischen Bütgenbach den dritten Platz des Spieltags.
Schulsegeln mit der Bugenhagenschule Alsterdorf. Jeden Mittwoch und Donnerstag ist inklusives Segeln fester Teil des Schulunterrichts beim Hamburger Segel-Club. Schülerinnen und Schüler, die einen Rollstuhl nutzen, können nur mit diesem Boot am Segelunterricht teilnehmen – die „Johann Max Böttcher“ macht den Unterschied zwischen Zuschauen und Mitsegeln.
Eins-zu-eins-Training für Kinder und Jugendliche mit schweren Behinderungen. Viele Projekte mit Kindern und Jugendlichen mit schwersten Behinderungen sind ausschließlich auf diesem Boot möglich: individuell angepasste Sitze, Umsetzen vom Rollstuhl ins Boot, eine Trainerin oder ein Trainer an Bord. Auch 2026 ist so wieder ein zehnjähriges Zwillingspaar mit einer schweren Muskelerkrankung aufs Wasser gekommen – gemeinsam mit dem Werner Otto Institut, das regelmäßig donnerstags mit uns auf der Alster segelt. Die Hoffnung: dass die beiden 2027 weitermachen können.
Regattasport auf hohem Niveau. Steffi Brix und Dirk Thalheim, das Team Alster HSC, trainieren auf der „Johann Max Böttcher“ – und waren 2026 so erfolgreich wie nie: Bronze in der Para-Wertung der Europameisterschaft der RS Venture Connect in Travemünde, Platz zwei in der Gesamtwertung des Heinz Kettler Deutschland Cups. Anfang Oktober starten sie für Wir sind Wir Inclusion in Sailing e.V. bei der Inklusions-Segelweltmeisterschaft im portugiesischen Portimão.
Große Regatten auf der Alster. Der Helga Cup 2026 und der 1. Spieltag des Heinz Kettler Deutschland Cups wurden mit dem Boot bestritten. Erst mit der „Johann Max Böttcher“ ist die Flotte groß genug, um solche Regatten auf der Alster auszurichten.

Danke – und: Wir brauchen mehr davon
Der Hamburger Segel-Club und Wir sind Wir Inclusion in Sailing e.V. danken der Böttcher Stiftung und der Evangelischen Stiftung Alsterdorf von Herzen. Eine einzige Spende hat in dieser Saison Schulsegeln, Eins-zu-eins-Training, ein Jugendteam, Regattaerfolge und zwei große Regatten auf der Alster getragen. Genau das zeigt, was ein barrierefreies Boot bewegt.
Und genau deshalb braucht es mehr davon. Der Bedarf an Eins-zu-eins- und Eins-zu-zwei-Training für Kinder und Jugendliche mit schweren Behinderungen wächst, die Nachfrage übersteigt die Kapazität von zwei Booten. Was ein Boot leisten kann, zeigt diese Saison. Damit es weitergeht, braucht es weitere Partnerinnen und Partner: für die Kurse selbst, für die Honorare der ausgebildeten Trainerinnen und Trainer – der einzige Posten, der jedes Jahr neu eingeworben werden muss – und für den Unterhalt der Boote, die das alles erst möglich machen.
Der Hamburger Segel-Club und Wir sind Wir Inclusion in Sailing e.V. freuen sich über jede Unterstützung, damit Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung auch 2027 gemeinsam auf der Alster segeln. Kontakt: sven.juergensen@wir-sind-wir.org · www.wir-sind-wir.org
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