
Kieler Woche Inklusiv 2026: ein wunderbarer Auftakt
Die „Henk de Mol“ und der Weg zu einem Inklusionsboot für alle
Mit dem Start der Kieler Woche am Samstag, 20. Juni 2026, hat auch unser inklusives Segelprogramm im Olympiahafen Kiel-Schilksee begonnen – und das Auftaktwochenende hätte kaum schöner sein können. Traumhafte Segelbedingungen, großartige Gäste und viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer: Menschen mit und ohne Behinderung segeln gemeinsam, mittendrin statt nur dabei. Die inklusiven Angebote realisieren wir als Gemeinschaftsprojekt von Inklusives Segeln für Alle e.V. und Wir sind Wir Inclusion in Sailing e.V.
Regattabegleitfahrten für Rollstuhlfahrende – die „Henk de Mol“
Mit der „Henk de Mol“ bieten wir bei der Kieler Woche barrierefreie Regattabegleitfahrten für Rollstuhlfahrende an. Das Boot, eine mit offenem Deck inklusiv umgebaute BENTE24 unseres Partners Inklusives Segeln für Alle e.V., setzen wir seit vier Jahren gemeinsam in Kiel ein.
Das Besondere: Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer können direkt an Bord rollen und finden auch in fremder Umgebung sofort einen sicheren Platz – das Umsteigen in spezielle Sitze entfällt. Auf der Außenförde geht es damit täglich hinaus, begleitet von einem erfahrenen Betreuungsteam.
Wie sehr das bewegt, zeigte sich an diesem Wochenende wieder: An Bord waren ein dreizehnjähriges Mädchen aus Kiel im Rollstuhl und Tjark Schimmel, ein aktiver Segler, der seit einem Unfall im Rollstuhl sitzt und längst wieder selbst am Ruder steht. Tjark steuert die „Henk de Mol“ regelmäßig eigenständig – und genießt jeden Schlag.

Gemeinsam mit BENTE Yachts: ein Blick nach vorn
Hier in Kiel arbeiten wir auch mit BENTE Yachts zusammen. Neben der „Henk de Mol“ ist das 1:1-Cockpit-Modell der neuen BENTE25 open.i zu sehen – das „i“ steht für Inklusion. Schon beim 1. Spieltag des Heinz Kettler Deutschland Cup in Hamburg (14./15. Mai) war das Mockup im Einsatz; jetzt geht die Roadshow bei der Kieler Woche weiter.
Das Modell verfolgt ein klares Ziel: Menschen mit Beeinträchtigung – insbesondere Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer – werden von Anfang an einbezogen. Sie nehmen am Cockpit-Modell selbst Platz, probieren Abläufe aus und bringen ihre Erfahrungen ein. Diese Anregungen fließen direkt in die Konstruktion ein – so entsteht ein Boot, das von denen mitgestaltet wird, für die es gedacht ist.
Unser Ziel ist ein serienreifes Inklusionsboot, das auch Menschen mit schweren körperlichen Beeinträchtigungen den Zugang zum Segeln eröffnet – an vielen Standorten, von Kiel über Hamburg bis zum Bodensee.
Die BENTE25 open.i ist dabei für beides gedacht: für ambitioniertes, regelmäßiges Segeln – und für alle, die einfach im Rollstuhl an Bord kommen und ein paar entspannte Stunden auf dem Wasser erleben möchten.
Trainingstag des Youth Sailing Teams
Das Heinz Kettler Inclusive Youth Sailing Team Germany geht bewusst einen eigenen Weg: Es ist kein reines Breitensportangebot, sondern ein Team für Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigung, die ambitionierten Regattasport erlernen und betreiben wollen. Trainiert wird wöchentlich, dazu kommen über die Saison fünf Trainingswochenenden.
Am Samstag stand ein Trainingstag auf der Ostsee an. Auf unseren Inklusionsbooten vom Typ RS Venture Connect segelten Sophia, Tristan, Paul und Fenna bis zur Regattabahn der 49er FX und verfolgten die Wettfahrten aus sicherem Abstand – live dabei die Hamburger Teams um Marla Bergmann/Hanna Wille sowie Sophie Steinlein/Catherine Bartelheimer.
Es ist genau die Bootsklasse, in der unsere BAT-Schirmherrin Susann Beucke Olympia-Silber gewann – ein schöner Bogen für unseren Nachwuchs. Zwei der vier bereiten sich gezielt auf Regatten vor, darunter die zehnjährige, sehbehinderte Sophia: Sie startet in diesem Jahr bei der inklusiven Regatta, die Wir sind Wir gemeinsam mit dem Germany SailGP Team im Rahmen des SailGP in Sassnitz ausrichtet.

Segel-Workshop für sehbehinderte und blinde Menschen gestartet
Seit dem 21. Juni läuft unser Segel-Workshop für sehbehinderte und blinde Menschen. An drei Tagen (21.–23. Juni) führen wir ihn gemeinsam mit dem BAT Sailing Team durch – mit qualifizierten Trainerinnen und Trainern sowie ehrenamtlichen Seglerinnen und Seglern, auf der Bootsklasse RS Venture Connect.
Das BAT Sailing Team ist angekommen
Ebenfalls am ersten Tag ist unser BAT Sailing Team in Kiel angekommen und hat vor Kiel-Schilksee die ersten Trainingsschläge absolviert. Die Kieler Woche hat für das Team eine besondere Bedeutung: Hier bestritt die inklusive Crew einst ihre ersten Regatten.
2026 feiert das BAT Sailing Team, ein gemeinsames Projekt des Norddeutschen Regatta Vereins und von Wir sind Wir Inclusion in Sailing e.V., sein fünfjähriges Bestehen. Aktuell segeln 18 Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam Regatten – darunter blinde, sehbehinderte und gehörlose Menschen sowie Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer, erstmals auch zwei Kinder und Jugendliche mit Seheinschränkung. In der Saison 2025 gelang mit Platz 11 von 18 der Klassenerhalt; aktuell segelt das Team seine dritte Saison in der 2. Deutschen Segel-Bundesliga. Schirmherrin ist Susann Beucke. Die Vision ist klar: #alleanbord.
Bei der J/70-Regatta vom 25. bis 28. Juni gehen zwei Teams des BAT Sailing Teams an den Start – der sportliche Höhepunkt der Kieler Woche, ganz im Sinne von „BAT Sailing Team – gelebte Inklusion auf der Regattabahn“.
Das Programm der kommenden Tage
- 21.–23. Juni: Segel-Workshop für sehbehinderte und blinde Menschen
- 22. + 24. Juni: Törns mit dem 70-Fuß-Segelboot „Little Dream“ – „Erste Reihe – mittendrin“
- täglich bis 27. Juni: barrierefreie Regattabegleitfahrten für Rollstuhlfahrende
- 25.–28. Juni: J/70-Regatta mit dem BAT Sailing Team
Jetzt noch mitsegeln
Für die barrierefreien Regattabegleitfahrten für Rollstuhlfahrende sind aktuell noch einige Plätze frei. Alle Informationen und die Anmeldung gibt es unter wir-sind-wir.org/inklusive-segel-mitmachangebote-kieler-woche-2026.
Inklusion braucht Sichtbarkeit
In den letzten beiden Tagen waren Gäste an Bord, die noch nie gesegelt sind – Menschen mit Behinderung, die sich kaum vorstellen konnten, dass dieser Sport auch für sie offensteht. Auf dem Wasser wird aus „das geht doch nicht“ ein „doch, ich kann segeln.“ Denn Segeln grenzt nicht aus: Hier sitzen alle in einem Boot.
Inklusion braucht Sichtbarkeit. Inklusion braucht Unterstützung. Inklusion braucht starke Partner. Genau das schaffen wir hier während der Kieler Woche – gemeinsam mit vielen Freundinnen und Freunden, Partnern und Unterstützern. Macht mit, macht es sichtbar – und segelt mit.
Danke
Unser Dank gilt allen Gästen, den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, dem Team des Olympiahafens Schilksee (Sporthafen Kiel GmbH) für die großartige Betreuung, Point of Sailing für die Unterstützung sowie der Landeshauptstadt Kiel für die Förderung der inklusiven Segelaktivitäten.
Alle Fotos vom Auftaktwochenende gibt es in unserem Flickr-Album.
Ein Gemeinschaftsprojekt von Inklusives Segeln für Alle e.V. und Wir sind Wir Inclusion in Sailing e.V.
