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Noa segelt – und verändert sehr viel: Eine Geschichte zum Welttag des Down-Syndroms 21. März

Es gibt Momente, die mehr sind als eine Regatta. Momente, die zeigen, was möglich ist – wenn man es einfach wagt.

Einer dieser Momente ereignete sich im Oktober 2020 auf der Hamburger Außenalster: Die „Inclusion World Championship for Sailing“ – die erste inklusive Weltmeisterschaft im Segeln – schrieb Geschichte. Zum ersten Mal weltweit trat in jedem Boot eine Person mit und eine ohne Behinderung gemeinsam als Team an – gleichberechtigt, Seite an Seite, um den Titel.

Mitten dabei: Noa und ihr Vater Gregor Ronig.

Noa lebt mit Trisomie 21. Und Noa segelt. Nicht trotzdem – sondern mit voller Überzeugung, mit Freude, mit dem Wind im Rücken. Gemeinsam mit Gregor bildete sie ein inklusives Vater-Tochter-Team, das von Anfang an für das stand, worum es wirklich geht: gelebte Inklusion auf dem Wasser.

17 Zweiercrews aus fünf Nationen gingen an drei Wettfahrttagen in der speziell für Menschen mit Handicap entwickelten Bootsklasse Far East SV 14 an den Start – in Kooperation mit World Sailing und dem Deutschen Segler-Verband. Den ersten Weltmeistertitel holten Paralympics-Sieger Heiko Kröger und sein Vorschoter Clemens Kraus. Aber Gewinner waren an diesem Tag alle.

Gregor brachte es damals auf den Punkt: „Es ist absolut fantastisch, wenn hier gegeneinander gesegelt wird, ohne zu gucken, wer hat was – das macht einfach Spaß.“


Noas nächster Schritt: Die Klasse einladen

Was danach geschah, sagt alles über Noa.

Sie ging zurück in ihre Klasse an der Bugenhagenschule Alsterdorf – und erzählte. Von der WM, vom Segeln. Und dann lud sie ihre Mitschülerinnen und Mitschüler einfach ein: Kommt mit. Auf die Alster. Gemeinsam.

Aus dieser Einladung wurde 2023 ein erster gemeinsamer Segeltag – mit rund 40 Kindern und Jugendlichen, Lehrkräften und Eltern. Unterstützt und begleitet wurde Noa dabei von Claudia Langenhan, die die Schnupperkurse mit auf den Weg brachte und umsetzte. Kinder und Jugendliche, die noch nie ein Boot betreten hatten, erlebten plötzlich, wie sich Wind, Wasser und Teamarbeit anfühlen. Die Rückmeldungen waren überwältigend: begeisterte Kinder und Jugendliche, berührte Eltern, Lehrkräfte, die sofort erkannten, welches Potenzial im Segeln als inklusivem Lernort steckt.

Eine Einladung. Eine Idee. Eine Noa.


2024: Aus einem Tag werden mehrere

2024 wurden die einmaligen Schnuppertage ausgeweitet. Über die gesamte Saison kamen unterschiedliche Klassen der Bugenhagenschule an die Alster, um erste Segelschläge zu machen und spielerisch Vertrauen ins Boot, ins Team – und in sich selbst – zu gewinnen. Es entstanden inklusive Segelangebote, in denen Kinder und Jugendliche mit sehr unterschiedlichen Förderbedarfen im gleichen Boot saßen: wortwörtlich und im übertragenen Sinne.

Doch Noa und ihre Klasse wollten mehr. Ein- bis dreimal im Jahr auf die Alster – das reichte nicht. Sie wollten ein festes Angebot. Regelmäßig. Verlässlich. Als echten Teil ihres Schuljahres.


2025: Segeln wird Schulalltag

Im Jahr 2025 folgte der nächste große Schritt. Aus gelegentlichen Ausflügen wurde ein echter Schulsegelkurs – wöchentlich, fest im Stundenplan verankert, gefördert durch den Förderverein der Bugenhagenschule und die Bildungsengel. Kinder und Jugendliche der Stufe 3 kamen regelmäßig an die Alster, lernten die Grundlagen des Segelns und wuchsen von Woche zu Woche über sich hinaus.

Lehrkräfte und Trainer berichten übereinstimmend: Auf dem Wasser zeigen sich die Kinder und Jugendlichen oft ganz anders als im Klassenzimmer – konzentrierter, mutiger, selbstständiger. Balance halten, im Team entscheiden, Verantwortung übernehmen: Das stärkt Motorik, Wahrnehmung und Selbstvertrauen auf eine Weise, die kaum ein Klassenzimmer leisten kann. Viele nennen es schlicht: „die schönste Therapie für junge Herzen.“


Ab 2026: Fast 100 Kinder und Jugendliche, jeden Mittwoch und Donnerstag

Die Nachfrage wuchs schneller als die Plätze. Also beschlossen Schule, Vereine und Förderpartner: mehr. Ab 2026 gibt es zwei wöchentliche Schulsegelkurse für die Bugenhagenschule Alsterdorf – für Stufe 2 und Stufe 3, jeweils mittwochs und donnerstags. Fast 100 Kinder und Jugendliche der Bugenhagenschule kommen dann regelmäßig auf die Alster. Noch mehr Kinder und Jugendliche. Noch mehr Chancen. Noch mehr Wind in den Segeln.

Die „Inklusive Alster“ umfasst inzwischen neun Segelkurse für Kinder und Jugendliche – getragen als Gemeinschaftsprojekt von Bugenhagenschule Alsterdorf, Hamburger Segel-Club, Wir sind Wir Inclusion in Sailing e.V. und unseren Förderpartnern.


Was Noa uns zeigt

Noa und Gregor haben seitdem an vier inklusiven Segelweltmeisterschaften teilgenommen – und sind gemeinsam auch bei nationalen inklusiven Regatten an den Start gegangen. Und Noa hat noch mehr bewegt: Sie ist zurück in ihre Klasse gegangen, hat erzählt – und damit etwas ins Leben gerufen, das weit über die WM-Bahn hinausreicht. Aus ihrer Einladung wurde ein Schultag. Aus einem Schultag wurden viele. Aus vielen Tagen wurde ein Programm, das 2026 fast 100 Kinder und Jugendliche jeden Mittwoch und Donnerstag auf die Alster bringt.

Es war der Moment danach. Als sie in ihre Klasse ging und sagte: Kommt mit.

Heute, am Welttag des Down-Syndroms, sagen wir: Danke, Noa. Du hast nicht gewartet, bis jemand Inklusion organisiert hat. Du hast sie einfach eingeladen. Du hast gemacht – ohne Barrieren im Kopf, ohne Wenn und Aber.

Genau das ist unsere Botschaft – auf der Alster, in den Schulen, im Sport: Inklusion beginnt nicht mit Konzepten. Sie beginnt mit einer Einladung. Mit #Machen. Ohne Barrieren im Kopf.

🌊 Wir sind Wir – Inclusion in Sailing e.V.

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